Straftaten gegen das Leben

Sie gehören zu den gravierendsten Delikten überhaupt – zugleich machen sie nur einen marginalen Anteil an der Kriminalität aus. Zu den Straftaten gegen das Leben zählen Mord, Totschlag, Tötung auf Verlangen, fahrlässige Tötung sowie der strafbare Schwangerschaftsabbruch. Fahrlässige Tötungen im Straßenverkehr fallen jedoch nicht darunter. Der Anteil der Delikte liegt bei 0,1 Prozent aller registrierten Straftaten. Ihre Zahl geht gegenüber dem Vorjahr mit 456 Fällen um 3,1 Prozent auf 442 Fälle zurück. In 105 Fällen handelt es sich um Mord. Fast 80 Prozent der Mordfälle bleiben im Versuchsstadium. In 176 Fällen kommt ein Messer zum Einsatz – das ist ein deutlicher Anstieg von 11,4 Prozent. Die Aufklärungsquote bleibt mit über 95 Prozent auf sehr hohem Niveau.

Icon mit Messer im Herz und Bluttropfen

Rückgang bei den Straftaten gegen das Leben

Die Zahl der Tatverdächtigen liegt mit 582 leicht über dem Vorjahresniveau. Gleichzeitig steigt die Zahl der nichtdeutschen Tatverdächtigen um 22,2 Prozent, darunter ein markanter Zuwachs bei den Asylbewerberinnen, Asylbewerbern und Geflüchteten um 57,4 Prozent. Insgesamt sind knapp über die Hälfte der Tatverdächtigen nichtdeutsche Staatsangehörige. Knapp ein Drittel von ihnen besitzen die türkische oder syrische Staatsangehörigkeit. Fast neun von zehn Tatverdächtigen sind männlich. 229 der 582 Tatverdächtigen setzen bei der Tatbegehung ein Messer ein, darunter 144 Nichtdeutsche.

Die 442 Straftaten gegen das Leben fordern 528 Opfer. 127 Opfer verlieren dabei ihr Leben, darunter 58 durch fahrlässige Tötung und 69 durch Mord und Totschlag. 71,6 Prozent der Opfer sind männlich. Etwa ein Drittel steht in keinerlei Vorbeziehung zur Täterin beziehungsweise zum Täter. Unter den Opfern befinden sich 30 Kinder, was einem Anteil von 5,7 Prozent entspricht.

Unterschied zwischen Mord und Totschlag

Mord ist eine qualifizierte Begehungsform eines Tötungsdelikts, bei dem die innere Einstellung, das Motiv sowie die Ausführung eine besondere Verwerflichkeit der Tat begründen. Bei einem Totschlag handelt es sich um eine vorsätzliche Tötung, ohne dass die genannten Qualifizierungsmerkmale vorliegen.

Straftaten gegen das Leben – Fallzahlen

Jahr 2016 2017 2017 209 2020 2021* 2022 2023 2024 2025 Differenz
absolut in %
Straftaten gegen das Leben 403 382 384 379 384 391 434 411 456 442 - 14 - 3,1
Versuche 255 229 234 271 261 242 260 261 306 316 + 10 + 3,3
Versuchsquote in % 63,3 59,9 60,9 71,5 68,0 61,9 59,9 63,5 67,1 71,5 + 4,4 -
Aufklärungsquote in % 93,3 95,8 94,5 94,2 95,6 89,8 94,9 91,5 93,0 95,5 + 2,5 -

Mord und Totschlag 324 302 307 321 310 313 315 338 365 375 + 10 + 2,7
Versuche 252 223 233 267 257 240 253 258 299 312 + 13 + 4,3
Versuchsquote in % 77,8 73,8 75,9 83,2 82,9 76,7 80,3 76,3 81,9 83,2 + 1,3 -

Fahrlässige Tötung 70 71 68 49 59 74 103 67 77 56 - 21 - 27,3

Schwangerschaftsabbruch 9 9 9 9 15 4 16 6 14 11 - 3 - 21,4
Versuche 3 6 1 4 4 2 7 3 7 4 - 3 - 42,9

* Im Jahr 2021 sind auch zwölf Cold Case Fälle enthalten, die abweichend der bundesweiten Vorgaben der „Richtlinien für die Führung der Polizeilichen Kriminalstatistik“ erfasst wurden.

Straftaten gegen das Leben – Tatverdächtige

Jahr 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 Differenz
absolut in %
Straftaten gegen das Leben 480 463 478 487 508 485 483 496 568 582 + 14 + 2,5
deutsch 282 269 260 287 301 270 288 266 325 285 - 40 - 12,3
nichtdeutsch 198 194 218 200 207 215 195 230 243 297 + 54 + 22,2

Mord und Totschlag 381 352 393 409 379 384 381 402 448 496 + 48 + 10,7
deutsch 194 177 192 221 207 189 216 191 232 222 - 10 - 4,3
nichtdeutsch 187 175 201 188 172 195 165 211 216 274 + 58 + 26,9

Quick-Identification-Teams

Um bei Kapitaldelikten, insbesondere in Fällen von Anschlägen und Amoktaten, schnellstmöglich Erkenntnisse zu potentiellen (Mit-)Täterinnen und Tätern zu gewinnen und Ermittlungs- und Fahndungshinweise zu generieren wird die Polizei künftig sogenannte Quick-Identification-Teams – kurz: QIT – am Tatort einsetzen. Das sind speziell geschulte interdisziplinäre Teams der Kriminalpolizei, deren einheitlicher Standard in der personellen Zusammensetzung, Aus- und Fortbildung sowie Ausstattung zudem eine dienststellenübergreifende Unterstützung in herausragenden kriminalpolizeilichen Einsatzlagen ermöglicht.
Den entscheidenden objektiven Beweis zur Aufklärung einer Straftat oder den Nachweis einer Täterschaft erbringt die Kriminaltechnik anhand gesicherter Tatortspuren. Sie umfasst den Bereich von der Spurensicherung bis hin zur Spurenanalyse und -auswertung und ist ein wesentlicher Bestandteil der Kriminalistik.

Cold Cases

Bei Cold Cases denken viele Bürgerinnen und Bürger an einen spannenden Zeitungsartikel, einen Podcast oder auch eine Kriminaldokumentation im Fernsehen. Doch für die Polizei ist die Aufklärung bislang ungeklärter Kapitaldelikte eine zentrale Aufgabe. Im Mittelpunkt steht das berechtigte Interesse der Opfer und ihrer Angehörigen, dass auch lang zurückliegende Straftaten lückenlos aufgeklärt werden.
Das Cold-Case-Management des Landeskriminalamtes übernimmt hierbei das landesweite Monitoring, bündelt und vermittelt die fachliche Expertise an die regionalen Polizeipräsidien. Fallkonferenzen, detaillierte Fallanalysen und eine landesweite Rankingtabelle anhand der erfolgversprechendsten Ermittlungsansätze gewährleisten eine notwendige Priorisierung. Die erneute Analyse sämtlicher Hinweise mittels moderner Forensik und neuer Technologien wie beispielsweise der Künstlichen Intelligenz erweitern das Spektrum der Ermittlungen signifikant.
Die regionalen Polizeipräsidien ermitteln derzeit in 54 Cold Cases.