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Politisch motivierte Kriminalität
Politisch motivierte Kriminalität umfasst Straftaten, die aus einer politischen Ideologie oder Weltanschauung heraus begangen werden und sich im Kern gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung richten. Diese Form der Kriminalität kann in verschiedenen Erscheinungsformen auftreten, von Gewalt und Bedrohungen gegenüber Personen oder Gruppen bis hin zu Angriffen auf staatliche Einrichtungen oder Infrastruktur. Die Täterinnen und Täter greifen zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele auf illegitime Mittel zurück oder handeln aus menschenfeindlichen Vorstellungen. Damit bedrohen sie unsere demokratischen Prozesse und gefährden den Zusammenhalt in unserer offenen und freiheitlichen Gesellschaft.
Staatsschutz- und Anti-Terrorismuszentrum Baden-Württemberg
Das Staatsschutz- und Anti-Terrorismuszentrum Baden-Württemberg, kurz SAT BW, hat zum Jahresbeginn 2025 seine Arbeit aufgenommen und sich in kürzester Zeit zu einer modernen Austausch- und Kooperationsplattform zur Bekämpfung der Politisch motivierten Kriminalität etabliert.
Kernelemente des SAT BW sind eine neue Internet-Monitoring-Einheit zur Erkennung extremistischer Onlineaktivitäten sowie eine ebenfalls neue, personell verstärkte Ermittlungskommission, die die Erkenntnisse aus dem optimierten Internet-Monitoring weiterverarbeitet. Ergänzt wird dies durch einen engen Austausch in interdisziplinären Arbeitsgruppen nach dem Modell des Gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrums in Berlin (GTAZ), in denen neben dem Landeskriminalamt Vertreter der Staatsanwaltschaft, des Landesamts für Verfassungsschutz sowie des Sonderstabs Gefährliche Ausländer zusammenarbeiten. Durch die Integration des Kompetenzzentrums gegen Extremismus (konex) und der Task Force gegen Hass und Hetze in das SAT BW wird die gesamte Bandbreite der Bekämpfung der Politisch motivierten Kriminalität bis hin zu eigener Forschung der Staatsschutzanalyse- und Forschungseinheit (SAFE) abgedeckt und koordiniert.
Die Fallzahlen der Politisch motivierten Kriminalität – kurz: PMK – liegen im Jahr 2025 mit 6.801 Delikten über dem Niveau des Vorjahres, das den bisherigen Höchststand seit Einführung der Erfassung markierte. Im Straftatengeschehen manifestieren sich die gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen im Inland sowie die Verwerfungen und geopolitische Entwicklungen im Ausland. Auch die Gewaltdelikte der PMK steigen im Vergleich zum Vorjahr auf 298 Fälle an.
Die Wahl zum 21. Deutschen Bundestag am 23. Februar 2025 führt zu einer erhöhten Anzahl politisch motivierter Straftaten. Wahlen haben einen erkennbaren Einfluss auf das Straftatengeschehen: Bereits im Vorjahr waren die Europa- und Kommunalwahlen ein wesentlicher Faktor für die Entwicklung der Fallzahlen.
»Unsere Demokratie steht unter Druck – von innen wie von außen. Das gesellschaftliche Klima wird rauer. Jeder Akt der Gewalt ist ein Angriff auf unsere freiheitliche demokratische Grundordnung. Gewalt als Mittel politischer Auseinandersetzung geht gar nicht. Deshalb treten wir in Baden-Württemberg verfassungsfeindlichen Bestrebungen – gleich welcher Couleur – mit geballten Kräften entgegen. Hass, Hetze und Gewalt werden bei uns nicht geduldet, sondern entschieden und konsequent verfolgt. Mit dem Staatsschutz- und Anti-Terrorismuszentrum Baden-Württemberg, kurz SAT BW, haben wir Anfang letzten Jahres eine starke Struktur geschaffen, um Politisch motivierte Kriminalität schlagkräftig und nachhaltig zu bekämpfen.«
Innenminister Thomas Strobl
Hybride Bedrohungen
Hybride Bedrohungen gewinnen immer mehr an Bedeutung: Es handelt sich hierbei um koordinierte, illegitime Handlungen staatlicher und staatlich gelenkter Akteure zur Durchsetzung eigener Interessen zum Nachteil eines anderen Staates, die außerhalb des Rahmens eines konventionellen militärischen Angriffs bleiben. Hierzu zählen Operationen wie Cyberangriffe, Sabotage und Desinformation zunehmend gestützt von künstlicher Intelligenz – die regelmäßig unter Verschleierung der jeweiligen Urheberschaft erfolgen. Das Ziel der Akteure ist es unter anderem, das Vertrauen in demokratische Prozesse und rechtsstaatliche Institutionen zu schwächen, gesellschaftliche Konflikte zu verstärken, Unsicherheit zu schüren und auf politische Entscheidungsprozesse einzuwirken, um das gesellschaftliche und politische Gefüge nachhaltig zu stören.
Zudem ist die Bedrohung durch ausländische Nachrichtendienste weiterhin auf einem hohen Niveau und zeigt sich auf verschiedenen Handlungsebenen. So ist die Ausspähung von Wirtschaft, Politik, Sicherheitsbehörden, Militär und kritischer Infrastruktur (KRITIS) ebenso Teil des Handlungsrepertoires wie Sabotage und transnationale Repression. Letzteres beschreibt Unterdrückungsmaßnahmen autoritärer Staaten, die sich gegen Oppositionelle, Dissidenten und sonstige von der Regierung des Heimatlandes als Gegner eingestufte Personen in Deutschland richten.