Politisch motivierte Kriminalität

Politisch motivierte Kriminalität umfasst Straftaten, die aus einer politischen Ideologie oder Weltanschauung heraus begangen werden und sich im Kern gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung richten. Diese Form der Kriminalität kann in verschiedenen Erscheinungsformen auftreten, von Gewalt und Bedrohungen gegenüber Personen oder Gruppen bis hin zu Angriffen auf staatliche Einrichtungen oder Infrastruktur. Die Täterinnen und Täter greifen zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele auf illegitime Mittel zurück oder handeln aus menschenfeindlichen Vorstellungen. Damit bedrohen sie unsere demokratischen Prozesse und gefährden den Zusammenhalt in unserer offenen und freiheitlichen Gesellschaft.

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Staatsschutz- und Anti-Terrorismuszentrum Baden-Württemberg

Das Staatsschutz- und Anti-Terrorismuszentrum Baden-Württemberg, kurz SAT BW, hat zum Jahresbeginn 2025 seine Arbeit aufgenommen und sich in kürzester Zeit zu einer modernen Austausch- und Kooperationsplattform zur Bekämpfung der Politisch motivierten Kriminalität etabliert.
Kernelemente des SAT BW sind eine neue Internet-Monitoring-Einheit zur Erkennung extremistischer Onlineaktivitäten sowie eine ebenfalls neue, personell verstärkte Ermittlungskommission, die die Erkenntnisse aus dem optimierten Internet-Monitoring weiterverarbeitet. Ergänzt wird dies durch einen engen Austausch in interdisziplinären Arbeitsgruppen nach dem Modell des Gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrums in Berlin (GTAZ), in denen neben dem Landeskriminalamt Vertreter der Staatsanwaltschaft, des Landesamts für Verfassungsschutz sowie des Sonderstabs Gefährliche Ausländer zusammenarbeiten. Durch die Integration des Kompetenzzentrums gegen Extremismus (konex) und der Task Force gegen Hass und Hetze in das SAT BW wird die gesamte Bandbreite der Bekämpfung der Politisch motivierten Kriminalität bis hin zu eigener Forschung der Staatsschutzanalyse- und Forschungseinheit (SAFE) abgedeckt und koordiniert.

Die Fallzahlen der Politisch motivierten Kriminalität – kurz: PMK – liegen im Jahr 2025 mit 6.801 Delikten über dem Niveau des Vorjahres, das den bisherigen Höchststand seit Einführung der Erfassung markierte. Im Straftatengeschehen manifestieren sich die gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen im Inland sowie die Verwerfungen und geopolitische Entwicklungen im Ausland. Auch die Gewaltdelikte der PMK steigen im Vergleich zum Vorjahr auf 298 Fälle an.

Die Wahl zum 21. Deutschen Bundestag am 23. Februar 2025 führt zu einer erhöhten Anzahl politisch motivierter Straftaten. Wahlen haben einen erkennbaren Einfluss auf das Straftatengeschehen: Bereits im Vorjahr waren die Europa- und Kommunalwahlen ein wesentlicher Faktor für die Entwicklung der Fallzahlen.

Interview Thomas Strobl Sexualdelikte
Picture alliance/dpa: Lichtgut, Leif Piechowski

»Unsere Demokratie steht unter Druck – von innen wie von außen. Das gesellschaftliche Klima wird rauer. Jeder Akt der Gewalt ist ein Angriff auf unsere freiheitliche demokratische Grundordnung. Gewalt als Mittel politischer Auseinandersetzung geht gar nicht. Deshalb treten wir in Baden-Württemberg verfassungsfeindlichen Bestrebungen – gleich welcher Couleur – mit geballten Kräften entgegen. Hass, Hetze und Gewalt werden bei uns nicht geduldet, sondern entschieden und konsequent verfolgt. Mit dem Staatsschutz- und Anti-Terrorismuszentrum Baden-Württemberg, kurz SAT BW, haben wir Anfang letzten Jahres eine starke Struktur geschaffen, um Politisch motivierte Kriminalität schlagkräftig und nachhaltig zu bekämpfen.«

Innenminister Thomas Strobl

Politisch motivierte Kriminalität – Fallzahlen*

Jahr 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 Differenz
absolut in %
PMK gesamt 3.240 2.837 2.555 3.422 3.053 4.965 6.205 4.855 6.526 6.801 + 275 + 4,2
davon Gewaltdelikte 315 161 214 316 139 222 180 252 211 298 + 87 + 41,2

Ausländische Ideologie ** 204 344 423 172 164 522 687 527 474 - 53 - 10,1
davon Gewaltdelikte ** 22 57 134 12 21 28 101 25 48 + 23 + 92,0

Religiöse Ideologie ** 128 43 42 41 50 55 92 124 155 + 31 + 25,0
davon Gewaltdelikte ** 4 7 6 1 5 3 0 8 15 + 7 + 87,5

Rechts 1.456 1.392 1.451 1.596 1.613 1.524 1.459 1.916 2.640 2.706 + 66 + 2,5
davon Gewaltdelikte 46 45 54 40 40 30 36 52 56 104 + 48 + 85,7

Links 736 530 500 691 703 929 504 497 530 905 + 375 + 70,8
davon Gewaltdelikte 118 73 88 113 71 70 42 43 42 55 + 13 + 31,0

Sonstige Zuordnung 493 583 217 670 524 2.298 3.665 1.663 2.705 2.561 - 144 - 5,3
davon Gewaltdelikte 19 17 8 23 15 96 71 56 80 76 - 4 - 5,0

* In der Fallzahlenübersicht 2025 sind insgesamt 481 Fälle mit unbekannter Täterschaft sowie unbekanntem Tatort nicht enthalten, welche durch die Meldestelle „Respect!“ mit Sitz in Baden-Württemberg an die Zentrale Meldestelle für strafbare Inhalte im Internet im Bundeskriminalamt übermittelt und dort endsachbearbeitet wurden.

** Die Phänomenbereiche (PHB) PMK -religiöse Ideologie- und PMK -ausländische Ideologie- wurden zum 1. Januar 2017 im Rahmen einer Neustrukturierung des Definitionssystems der Politisch motivierten Kriminalität eingeführt. Der bis dahin gültige PHB -politisch motivierte Ausländerkriminalität- wurde zum 31. Dezember 2016 gestrichen und die hierin abgebildeten Fälle fortan in den neu geschaffenen PHB abgebildet. Auf den PHB -politisch motivierte Ausländerkriminalität- entfielen im Jahr 2016 insgesamt 555 Straftaten, darunter 132 Gewaltdelikte.

Hybride Bedrohungen

Hybride Bedrohungen gewinnen immer mehr an Bedeutung: Es handelt sich hierbei um koordinierte, illegitime Handlungen staatlicher und staatlich gelenkter Akteure zur Durchsetzung eigener Interessen zum Nachteil eines anderen Staates, die außerhalb des Rahmens eines konventionellen militärischen Angriffs bleiben. Hierzu zählen Operationen wie Cyberangriffe, Sabotage und Desinformation zunehmend gestützt von künstlicher Intelligenz – die regelmäßig unter Verschleierung der jeweiligen Urheberschaft erfolgen. Das Ziel der Akteure ist es unter anderem, das Vertrauen in demokratische Prozesse und rechtsstaatliche Institutionen zu schwächen, gesellschaftliche Konflikte zu verstärken, Unsicherheit zu schüren und auf politische Entscheidungsprozesse einzuwirken, um das gesellschaftliche und politische Gefüge nachhaltig zu stören.
Zudem ist die Bedrohung durch ausländische Nachrichtendienste weiterhin auf einem hohen Niveau und zeigt sich auf verschiedenen Handlungsebenen. So ist die Ausspähung von Wirtschaft, Politik, Sicherheitsbehörden, Militär und kritischer Infrastruktur (KRITIS) ebenso Teil des Handlungsrepertoires wie Sabotage und transnationale Repression. Letzteres beschreibt Unterdrückungsmaßnahmen autoritärer Staaten, die sich gegen Oppositionelle, Dissidenten und sonstige von der Regierung des Heimatlandes als Gegner eingestufte Personen in Deutschland richten.

Phänomenbereiche Politisch motivierte Kriminalität

Die statistische Erfassung Politisch motivierter Kriminalität (PMK) erfolgt auf der Grundlage des Kriminalpolizeilichen Meldedienstes (KPMD-PMK). Mit Beschluss der Ständigen Konferenz der Innenminister und -senatoren der Länder vom 10. Mai 2001 sind rückwirkend zum 1. Januar 2001 mit dem „Definitionssystem Politisch motivierte Kriminalität“ und den „Richtlinien für den Kriminalpolizeilichen Meldedienst in Fällen Politisch motivierter Kriminalität“ die bundesweit einheitlich geltenden Kriterien zur Definition und Erfassung politisch motivierter Straftaten in Kraft gesetzt worden. Diese beinhalten u.a. bundeseinheitlich vereinbarte Katalogwerte (Themenfelder, Angriffsziele und Tatmittel), welche statistisch auswertbar sind.

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Auf Grundlage der vorgenannten Erfassungsrichtlinien werden politisch motivierte Straftaten im Rahmen einer Einzelfallbewertung, unter Berücksichtigung erkennbarer ideologischer Hintergründe, Ursachen der Tatbegehung und auch Erkenntnissen zum Tatverdächtigen in einem staatsschutzrelevanten Phänomenbereich abgebildet. Diese Zuordnung kann zu den Phänomenbereichen der PMK -links-, der PMK -rechts-, der PMK -ausländische Ideologie- oder der PMK -religiöse Ideologie- erfolgen. Jeder Sachverhalt kann immer nur einem Phänomenbereich zugeordnet werden. Ist ein Sachverhalt nicht unter einem der zuvor genannten Phänomenbereiche subsumierbar, wird dieser dem Phänomenbereich PMK -sonstige Zuordnung- zugeordnet. Hierunter werden zudem echte Staatschutzdelikte gefasst, die ohne explizite politische Motivation begangen werden.

PMK -religiöse Ideologie-

Trotz der nach wie vor verhältnismäßig geringen Fallzahlen birgt der Phänomenbereich ein erhebliches Gefährdungspotenzial. Die abstrakte Gefahr schwerer Gewaltereignisse bis hin zu terroristischen Anschlägen ist anhaltend hoch und kann sich jederzeit in konkreten Szenarien realisieren. Transnationale Terrororganisationen rufen weiterhin zu Angriffen in westlichen Staaten auf und verbreiten fortlaufend Hasspropaganda, die eine weitere Radikalisierung von Individuen und Gruppen fördert. Vor diesem Hintergrund stellen insbesondere im Verborgenen radikalisierte Personen eine besondere Herausforderung für die Sicherheitsbehörden dar.

Die Fallzahlen im Bereich der religiös motivierten Kriminalität steigen das zweite Jahr in Folge auf insgesamt 155 Straftaten. Der Anstieg ist vor allem auf die Zunahme von Hasskriminalität und Straftaten mit dem Tatmittel Internet, darunter die im großen Umfang per E-Mail versandten Anschlagsdrohungen, zurückzuführen. Diese Drohschreiben bilden – neben Propagandadelikten und Volksverhetzungen – einen deliktischen Schwerpunkt. Während Terrorismusdelikte deutlich zurückgehen, verdoppeln sich die Gewaltstraftaten im Vergleich zum Vorjahr nahezu. Weiterhin prägen islamistisch motivierte Straftaten den Bereich der religiös begründeten Kriminalität im besonderen Maße.

PMK -ausländische Ideologie-

Außerdeutsche Konfliktszenarien, politische Entwicklungen oder ideologisch geprägte Auseinandersetzungen wirken sich weiterhin auch unmittelbar auf die Sicherheitslage in Deutschland und Baden-Württemberg aus. Straftaten mit Bezug zu politischen Konflikten im Ausland oder zu entsprechenden nicht-religiösen Motivlagen werden dem Bereich der PMK -ausländische Ideologie- zugeordnet.

Nach einem Höchststand der Fallzahlen im Vorjahr ist in diesem Bereich ein Rückgang um rund zehn Prozent auf 474 Straftaten zu verzeichnen. Ursächlich für den Rückgang ist unter anderem, dass antisemitische Delikte, besonders im Kontext des Nahostkonflikts im Jahr 2025 abgenommen haben. Auch die Fallzahlen mit Bezug zum türkisch-kurdischen Konflikt gehen zurück.
Während sich die Gewaltstraftaten von 25 auf 48 Fälle nahezu verdoppeln, bewegen sich die Terrorismusdelikte in diesem Bereich auf dem Niveau der Vorjahre. Der deliktische Schwerpunkt liegt weiterhin bei Sachbeschädigungen.

PMK -links-

Linksmotivierte Straftaten können von unterschiedlichen linken Ideologien und Motivationen, wie der Forderung nach sozialer Gerechtigkeit, dem Kampf gegen Ungleichheit oder der Kritik an bestehenden Machtstrukturen getrieben sein. Innerhalb der Szene zeigt sich eine hohe Bereitschaft zu delinquentem Verhalten, die auch die Anwendung von Gewalt umfasst. Dies zeigt sich insbesondere in den zentralen, szeneprägenden Ideologieelementen wie Antifaschismus – verstanden als konfrontatives Vorgehen gegen Akteurinnen und Akteure des rechten Spektrums – und Antirepression, die primär Polizei und Justiz adressiert.

Die Deliktszahlen in diesem Bereich steigen gegenüber dem Vorjahr deutlich an und erhöhen sich um rund zwei Drittel von 530 auf 905 Straftaten. Der Großteil der Fälle umfasst vor allem Sachbeschädigungen und Verstöße gegen das Versammlungsgesetz. Daneben ist auch ein Anstieg linksmotivierter Gewaltstraftaten zu verzeichnen, der überwiegend auf einzelne Versammlungslagen zurückzuführen ist, in deren Verlauf mehrere Straftaten gegen Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte sowie politische Gegnerinnen und Gegner verübt werden. Die Wahl zum 21. Deutschen Bundestag trägt maßgeblich zu dem Anstieg linksmotivierter Straftaten bei. Darüber hinaus ist eine generelle Zunahme linksmotivierter Sachbeschädigungen, insbesondere Farbschmierereien, zu verzeichnen, die neben dem Wahlkampfgeschehen auch im Zusammenhang mit typischen linksextremistischen Agitationsfeldern wie Antifaschismus, „gegen rechts“ oder Kommunismus stehen.

PMK -rechts-

Rechte Ideologien basieren auf einer Überbewertung ethnischer Zugehörigkeit und einer Ablehnung der Gleichwertigkeit aller Menschen. Dies wird durch ein antipluralistisches und autoritär geprägtes Gesellschaftsverständnis ergänzt. In der rechten Szene sind revisionistische Positionen und die Verherrlichung der NS-Diktatur weit verbreitet, was zu einer Verharmlosung oder sogar Verherrlichung von Gewalt und Menschenrechtsverletzungen führen kann.
Die Kombination dieser menschenverachtenden Ideologie mit einer ausgeprägten Affinität zu Waffen und Sprengstoffen erzeugt ein erhebliches Gefährdungspotential. Derweil beschleunigen online verbreitete Rekrutierungs- und Vernetzungsprozesse individuelle und gruppenbezogene Radikalisierungsverläufe.

Rechtsmotivierte Straftaten bewegen sich in etwa auf dem Niveau des Vorjahres und machen mit 2.706 erfassten Delikten mehr als ein Drittel des Gesamtaufkommens der PMK aus. Der weitaus größte Teil entfällt auf Propagandadelikte, Volksverhetzungen und Sachbeschädigungen. Darüber hinaus zeigt sich eine deutliche Zunahme der Gewaltdelikte. Wie bereits in den Vorjahren entfällt ein erheblicher Anteil rechtsmotivierter Straftaten auf den Bereich der Hasskriminalität.

PMK -sonstige Zuordnung-

Der Bereich der PMK -sonstige Zuordnung- umfasst ein breites Spektrum an Straftaten, die sich keinem der klassischen Phänomenbereiche eindeutig zuordnen lassen. Dies betrifft Fälle, in denen klare Hinweise auf ideologische Zusammenhänge fehlen oder vorliegende Anhaltspunkte mehrdeutig oder widersprüchlich sind. Charakteristisch für diesen Phänomenbereich sind Straftaten mit einer staatsfeindlichen Motivlage, die häufig aus verschwörungsideologischen Denkmustern erwachsen.

Die im Phänomenbereich PMK -sonstige Zuordnung- erfassten Straftaten liegen unter dem Niveau des Vorjahres und machen mit 2.561 Fällen mehr als ein Drittel der insgesamt erfassten politisch motivierten Straftaten aus. Dieser weiterhin hohe Anteil an den Gesamtstraftaten ist maßgeblich auf die Wahl zum 21. Deutschen Bundestag zurückzuführen: Mehr als die Hälfte der in diesem Phänomenbereich erfassten Delikte stehen im Kontext der Bundestagswahl. Dabei überwiegen Sachbeschädigungen an Wahlplakaten, welche aufgrund fehlender eindeutiger ideologischer Anknüpfungspunkte hier erfasst werden. Abseits des Wahlgeschehens dominieren weiterhin staatsfeindliche Motivlagen und die Konfrontation mit politischen Gegnerinnen und Gegner diesen Bereich, wobei weniger Gewaltstraftaten erfasst werden als im Vorjahr.

Reichsbürger und Selbstverwalter

Das Milieu der sogenannten Reichsbürger und Selbstverwalter ist geprägt von einer Ideologie, die die Existenz und Legitimität der Bundesrepublik Deutschland und deren staatlicher Repräsentanz leugnet. Eine einheitliche Herleitung dieser Überzeugung existiert jedoch nicht. Teils wird Bezug auf ein vermeintlich fortbestehendes und durch alliierte Kräfte besetztes Deutsches Reich genommen. Teils werden aus souveränistischen Ansätzen eigene Staatsgebilde abgeleitet oder behauptet ausschließlich einem von ihnen selbst definierten Naturrecht zu unterstehen.
Einheitliches Ziel des Milieus ist es, staatliche Kontrolle zu umgehen und ein verschwörungsideologisches Weltbild zu propagieren. Aus der vermeintlichen Illegitimität staatlicher Strukturen wird ein angebliches Recht auf Notwehr gegenüber behördlichen Maßnahmen abgeleitet, das bis zur Anwendung von Gewalt führen kann.

Nachdem im Jahr 2024 in diesem Bereich 204 Straftaten erfasst wurden, sind die Fallzahlen mit 146 erfassten Delikten im Jahr 2025 deutlich rückläufig. Die Gewaltdelikte verbleiben mit 13 Straftaten etwa auf Vorjahresniveau.

Hasskriminalität

Das Gesamtaufkommen der Hasskriminalität steigt im Vergleich zum Vorjahr leicht um 63 Straftaten auf insgesamt 1.717 Delikte an. Gleichzeitig ist auch ein Anstieg der Gewaltstraftaten in diesem Bereich von 78 auf 134 Delikte zu verzeichnen.
Die Hasskriminalität ist weiterhin geprägt von rechtsmotivierten Delikten, die wie bereits in den Vorjahren mehr als die Hälfte aller erfassten Fälle ausmachen. Antisemitische, ausländerfeindliche und rassistische Tatmotive bilden dabei erneut den Schwerpunkt.

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Hasskriminalität

Hasskriminalität umfasst Straftaten, die auf diskriminierenden Vorurteilen gegenüber bestimmten Menschen oder sozialen Gruppen basieren. Diese Vorurteile können sich auf verschiedene Merkmale, wie zum Beispiel Hautfarbe, Herkunft, Geschlecht, Religion oder sexuelle Orientierung beziehen. Die Taten richten sich unmittelbar gegen Personen oder Sachen, denen ein bestimmtes Merkmal zugerechnet wird oder die als Vertreter einer bestimmten Gruppe wahrgenommen werden. Hasskriminalität ist immer vorurteilsgeleitet und kann jeden treffen.

Kabinettsausschuss "Hass und Hetze"

Um der besorgniserregenden Entwicklung im Bereich Hass und Hetze noch entschiedener entgegenzuwirken, hat die 17. Landesregierung des Landes Baden-Württemberg am 14. September 2021 den Kabinettsausschuss „Entschlossen gegen Hass und Hetze“, unter Vorsitz des Stellvertretenden Ministerpräsidenten und Innenminister Thomas Strobl, eingesetzt. Beteiligt sind neben dem Ministerium des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen, das Staatsministerium, das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration sowie das Ministerium der Justiz und für Migration.
Ziel des Kabinettsausschusses ist es, Maßnahmen zu bündeln, Schwachstellen zu identifizieren und zu beheben sowie stärker in die Gesellschaft hinein zu sensibilisieren. Hierzu erhebt und definiert der Kabinettsausschuss Handlungsfelder und macht strategische Vorgaben zur Umsetzung von Vorschlägen und Projektideen. In enger Zusammenarbeit mit den beteiligten Ministerien sowie der beim Landeskriminalamt verorteten Task Force gegen Hass und Hetze entstehen so eine Vielzahl an Maßnahmen, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken, einen respektvollen Umgang – auch im digitalen Raum – zu fördern und konsequent gegen Hass und Hetze vorzugehen. Den Abschlussberichts des Kabinettsausschusses „Entschlossen gegen Hass und Hetze“ finden Sie hier.

Zentrale Ansprechstelle für Amts- und Mandatsträgerinnen und -träger

Seit über sechs Jahren berät und unterstützt die Zentrale Ansprechstelle für Amts- und Mandatsträgerinnen und ‑träger jene Menschen, die sich für unsere Gesellschaft engagieren und dadurch Beleidigungen und Bedrohungen ausgesetzt sind. Seit ihrer Einrichtung im Jahr 2019 ist sie rund um die Uhr unter der zentralen Rufnummer 0711 / 5401 3003 erreichbar und bietet ein qualifiziertes Erstberatungsangebot.

Antisemitische Straftaten

Aus einer antijüdischen Haltung heraus begangene Delikte der Hasskriminalität werden als antisemitische Straftaten erfasst.
Nach einem Höchststand der Fallzahlen im Jahr 2023 zeigt sich das zweite Jahr in Folge ein leichter Rückgang auf 575 Delikte.
Antisemitismus ist grundsätzlich in allen Phänomenbereichen der PMK präsent. Das Fallaufkommen wird jedoch überwiegend von rechtsmotivierten Straftaten und von Delikten dominiert, die aus einer ausländischen Ideologie heraus begangen werden.

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Politisch motivierte Kriminalität – Fallzahlen – Antisemitische Straftaten

Jahr 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 Differenz
absolut in %
PMK gesamt 95 99 136 182 228 337 245 668 590 575 - 15 - 2,5
davon Gewaltdelikte 4 0 2 2 4 1 5 10 9 15 + 6 + 66,7

Ausländische Ideologie * 0 4 3 0 15 8 255 240 191 - 49 - 20,4
davon Gewaltdelikte * 0 1 1 0 1 0 7 7 6 - 1 - 14,3

Religiöse Ideologie * 5 2 1 4 3 3 44 28 42 + 14 + 50,0
davon Gewaltdelikte * 0 0 0 1 0 0 0 0 4 + 4 -

Rechts 87 92 130 170 207 242 159 312 249 257 + 8 + 3,2
davon Gewaltdelikte 3 0 1 1 3 0 5 1 1 4 + 3 + 300,0

Links 0 0 0 0 1 0 0 9 13 34 + 21 + 161,5
davon Gewaltdelikte 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0,0

Sonstige Zuordnung 2 2 0 8 16 77 75 48 60 51 - 9 - 15,0
davon Gewaltdelikte 0 0 0 0 0 0 0 2 1 1 0 0,0

* Die Phänomenbereiche (PHB) PMK -religiöse Ideologie- und PMK -ausländische Ideologie- wurden zum 1. Januar 2017 im Rahmen einer Neustrukturierung des Definitionssystems der Politisch motivierten Kriminalität eingeführt. Der bis dahin gültige PHB -politisch motivierte Ausländerkriminalität- wurde zum 31. Dezember 2016 gestrichen und die hierin abgebildeten Fälle fortan in den neu geschaffenen PHB abgebildet. Auf den PHB -politisch motivierte Ausländerkriminalität- entfielen im Jahr 2016 sechs antisemitische Straftaten, darunter ein Gewaltdelikt.

Interview Thomas Strobl Politisch Motivierte Kriminalitaet
Picture alliance/dpa: Lichtgut, Leif Piechowski

»Mehr denn je müssen wir uns gegen antisemitischen Hass stellen - und das tun alle in der Landesregierung. Der Antisemitismus war und ist nicht weg, auch wenn er seit dem Höchststand von 2023 wieder rückläufig ist. Jüdisches Leben ist Kern staatlicher Verantwortung, ist unser aller Verantwortung. Das ist nicht verhandelbar. Jüdisches Leben ist Teil unserer Gesellschaft. Wir stehen fest an der Seite der Jüdinnen und Juden. Und bei Antisemitismus schauen wir nicht weg, wir hören genau hin, sind hellwach und hoch sensibel. Das gilt übrigens völlig unabhängig davon, ob der Antisemitismus aus einer rechts- oder linksextremistischen oder islamistischen Ecke kommt - wir haben einen Rundum-Blick. Es gibt keinen guten Antisemitismus - Antisemitismus kann auch nicht gerechtfertigt werden.«

Innenminister Thomas Strobl